Hundertfaches Hoch auf die «Wiggertaler»

Aktualisiert: 3. Nov.

Bericht aus dem Willisauer Boten vom 27.9.22 von Adelheid Aregger


In der Event-Halle des Surseer Campus bejubelten am Freitag und Samstag Hunderte Fans die Wiggertaler Blaskapelle und ihre Gäste. Dirigentin Theres Müller-Tanner riss sie musikalisch und darstellerisch effektvoll mit.


Beim Nachtessen an den einladenden runden Tischen wurden die Konzertbesucherinnen und

-besucher kulinarisch auf das musikalische Menü vorbereitet, sodass die Männer und Frauen mit ihren Stimmen und Instrumenten gefordert waren, das Niveau des Abendprogramms zu halten. Angefeuert von ihrer Dirigentin betraten die «Wiggertaler» sich durch die runde Tischlandschaft schlängelnd und musizierend den Saal und formierten sich auf der Bühne regis- tergetreu zum sitzenden Orchester. «Es ist eine wahre Freude, mit diesen flotten Männern zu musizieren», eröffnete Theres Müller-Tanner die musikalische Nachspeise dieses Abends, bevor sie zum ersten Mal den Taktstock zu «Wir Musikanten» hob.


Ein Garant für den guten Ton

Rednerisch startete der Schlagzeuger Martin Bachmann das «Jubiläumskonzert 3 vor 40» und machte das Publikum auf die bereits einige Zeit zurückliegende Neu-Einkleidung seiner Kollegen aufmerksam: «Nicht wahr, Sie haben nicht bemerkt, dass die farbigen Gilets der Musikanten neu sind: Sie sehen gleich aus wie die alten, sie sind aus demselben Stoff genäht. Maggi-Flaschen sehen ja auch nach über hundert Jahren immer noch gleich aus.» Musikalisch hat sich in dieser Zeit viel geändert, für die Wiggertaler Blaskapelle ist aber seit ihrer Gründung 1985 eines konstant geblieben: die hohe Qualität der Töne und die fantasievolle Präsentation, die nicht auf abgefahrenen Geleisen fährt – auch wenn wenige Musikanten ausscheiden, neue eintreten und selbst, wenn Corona dieses Jubiläumskonzert um zwei Jahre verschoben hat.


Hochkarätige Gäste mit auf der Bühne

Das Konzert unter dem Titel «zäme underwägs» entschädigte alle Musik-Freunde für die lange Wartezeit, haben doch die «Wiggertaler» Mitwirkende verpflichtet, die ihrer eigenen hohen Qualität ebenbürtig sind und zugleich die eigene Attraktivität ver- grössern, indem sie ihren musikali- schen Horizont erweitern. Wer hat schon ein Alphorn-Solo in einem Blasmusik-Stück eingebaut – und erst noch von einer jungen Virtuosin gespielt, die ihrem «bedächtigen» Instrument schnelle, lustige Läufe entlocken kann? Lisa Stoll tat es mühelos und bewies dem Publikum in der grossen Halle, dass sie 2007 mit elf Jahren am ostschweizerischen Solistenwettbewerb in ihrer Kategorie zurecht auf dem ersten Platz gelandet war und seither nationale und internationale Erfolge feiert. Die Wiggertaler waren ebenbürtige Partner und bescherten dem Publikum im fortschreitenden Programm weitere musikalische Genüsse, die von Martin Bachmann mit Witz angekündigt wurden. Hugo und Pia Riedweg erhielten mit «La langouste qui chante» einen originellen musikalischen Dank für die kulinarischen Genüsse, die sie ihnen oft nach einer Probe bereiten. Sicht- und hörbares Klatschen – oft auch im Stehen – war an diesem Abend keine einmalige Produktion, sondern die häufige Antwort für die Musizierenden auf der Bühne, die manchmal fast zu klein war: Wenn etwa die Jodelformation «BieriFroue plus» in Aktion trat und mit dem Akkordeonisten Simon Haller die Stimmung zusätzlich anheizte. Die Pause konnte die Stimmung kaum dämpfen, und als Trommelwirbel den zweiten Teil mit Marschmusik ankündigten, manifestierte sich The- res Müller erst recht als temperamentvolle Bändigerin. Sie hielt ihre stehende Mannschaft gut im Zaum, wie sie es seit siebenunddreissig Jahren tut, und gab dann auch dem Publikum die Devise: «Damenwahl».


Ein begeistertes Publikum

Noch immer ist aber ein Mann, Peter Wismer, Präsident der Wiggertaler. «Mer send scho mängs, mängs Jahr unterwägs», wie er sagte, als er für die CD warb, die dank privater und Firmen-Unterstützung produziert werden konnte. Sehr viele Kontakte hatten die Wiggertaler bisher mit den «BieriFroue plus» (Akkordeonist Simon Haller), die an diesem Abend dem Motto «d Seel la bambele» gerecht wurden. Die schon KKL-Gewohnten gewannen mit ihren Liedern das Publikum auf Anhieb, wobei «Mein bester Freund ist die Musik», ein Paradestück der Oberkrainer, die pure Freude bewies, mit denen der kleine Chor seit Jahren singt und selbst auch Freude bereitet. Er war auch am grossartigen Finale beteiligt, das alle Mitwirkenden nochmals im gemeinsamen Singen und Musizieren vereinigte, solistisch oder im Chor, während die Dirigentin das klatschende Publikum einbezog und der Beifall erst verstummte, als die letzte Person den Saal nach ihrem tische-umrundenden Gang verlassen hatte ...